Neues Jahr, neue Ziele für Juristen

  • von Christine Reik
  • PREMIUM HR Blog

Sie haben den Jahreswechsel auch dazu genutzt, neue Pläne für Ihre berufliche Weiterentwicklung zu schmieden? Der Zeitpunkt ist ideal, denn der Arbeitsmarkt für Juristen in Deutschland boomt und viele attraktive Positionen sind vakant. Sie lesen diese Zeilen und fragen sich: warum ist es dann trotz guter Marktbedingungen so schwierig, den Zuschlag für den Traumjob zu bekommen?

Eine Pauschalantwort gibt es darauf nicht, denn viele Faktoren müssen zusammentreffen, damit der Wechsel in eine neue Aufgabe gelingt. Dabei gibt es offizielle Spielregeln am Arbeitsmarkt zu beachten. Aber viel wichtiger sind die inoffiziellen Regeln und verdeckten Mechanismen, die langfristig über das Gelingen einer Karriere entscheiden.

Gerade diese verdeckten Spielregeln werden oft von ambitionierten Berufsanfängern völlig unterschätzt. Gute Examensnoten öffnen zwar viele Türen und Möglichkeiten für den Berufseinstieg, langfristig ist damit aber noch lange nicht über das Gelingen einer Karriere entschieden. Und auch wer als Professional eine berufliche Veränderung anstrebt erlebt häufig, dass nicht immer der objektiv Beste gewinnt sondern im Zweifelsfall viele andere Faktoren entscheidend sind, nicht zuletzt das Alter. Offiziell zugeben wird das natürlich niemand. Erst recht nicht unter Juristen, die alle ihr AGG beherrschen.

Ein ganz zentraler Faktor für das Gelingen einer juristischen Karriere ist das persönliche berufliche Netzwerk. Und persönliches Netzwerk meint etwas ganz anderes als Netzwerk zur Mandatsakquise. Ein persönliches Netzwerk wächst über viele Jahre, beginnend mit engen Studienfreuden und guten Kollegen aus der Referendarzeit. Es umfasst Menschen mit unterschiedlichstem beruflichem Hintergrund und in den unterschiedlichsten Branchen.

Das klingt aufwändig? Ja, das ist aufwändig! Ein persönliches Netzwerk muss aufgebaut und gepflegt werden, sei es durch regelmäßige Treffen, durch attraktive Einladungen die ausgesprochen werden oder kleine Aufmerksamkeiten und Grüße zu bestimmten Anlässen. Und es lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Gerade der Aspekt des Gebens wird häufig unterschätzt: Netzwerken heißt primär geben, in Vorleistung gehen und Kontakte unverbindlich und ohne konkrete Erwartungshaltung pflegen.

Der Lohn dafür? Ein Kreis von wertvollen Menschen, die der eigenen Person Inspiration bieten und Reflektion in einem geschützten, vertrauensvollen Rahmen. Menschen, die auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es mit der eigenen Karriere mal nicht so läuft. Und Menschen, die Erfolge gemeinsam mit Ihnen feiern.

Und warum dieser Exkurs über Netzwerke jetzt in diesem Blog, der doch eigentlich über Karrierechancen im neuen Jahr 2016 berichtet? Wer ein funktionierendes berufliches Netzwerk hat, wird häufig auf diesem Weg auf freie Positionen angesprochen oder erfährt von Vakanzen, bevor diese überhaupt auf den Markt kommen. Mindestens 30% der vakanten Positionen kommen gar nicht auf den offiziellen Stellenmarkt sondern werden ausschließlich über persönliche Kontakte vergeben. Und noch was: persönliche Weiterempfehlung setzt viele der starren Spielregeln und Auswahlkriterien des offiziellen Arbeitsmarktes außer Kraft.

In diesem Sinne: machen Sie 2016 zu Ihrem persönlichen Netzwerk-Jahr. Was halten Sie von der Idee: jede Woche 2 Stunden weniger Arbeiten und die gewonnene Zeit für die Netzwerk-Pflege verwenden? Ich meine, ein lohnenswertes Investment!

 

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