Faire ses études avec B.D. - bald auch in Deutschland?

  • von Christine Reik
  • PREMIUM HR Blog

An der französischen Grenoble École de Management hat sich eine neue Lehrmethode etabliert: Führungskräfte lernen dort Unternehmensstrategie anhand eines eigens dafür entwickelten Comicbuchs. Eine Gruppe von Managern hat die neue Methode bereits getestet - nach Angabe der Schule mit erstaunlichen Resultaten.

Warum das Studieren mit Comics so gut funktioniert, erklärt Séverine Le Loarne, Professorin an der École de Management und einer der Autoren des Comic-Lehrbuchs mit vier Gründen:

Comics fesseln die Aufmerksamkeit ihrer Leser, was man nicht von jedem anderen Lehrbuch so ohne weiteres behaupten kann. Außerdem stellen Comics die Realität nach und verstecken die Lösungen für die Fallstudien in vielfältigen Andeutungen. Das regt zur kreativen  Lösungssuche an. Grund 3: Comics fördern die emotionale Intelligenz und schließlich Grund 4: Comics erleichtern das Lernen.

Gerade die letzten beiden Argumente machen mich nachdenklich. Wäre es denkbar, das auch eine deutsche Hochschule Ihren Studenten Unternehmensstrategie per Comics beibringt? Ich meine nein, definitiv nein! Und warum ? Ganz einfach, weil Deutsche und Franzosen hier kulturell wieder einmal sehr weit auseinander liegen. Wenn Sie wie ich in beiden Welten unterwegs sind, dann ist Ihnen das bestimmt auch schon aufgefallen.

In Frankreich gelten Comics als "Neunte Kunst" - ein Begriff der bereits 1971 von Francis Lacassin geprägt wurde. Und kaum eine renommierte Buchhandlung kommt ohne eigene Comic-Abteilung aus, so groß ist das Interesse und die Leidenschaft der Franzosen für ihre bande dessinée, quer durch alle Bildungsschichten und Altersklassen. Und wer hat nicht schon einmal von Angoulème gehört, wo sich jedes Jahr im Januar das who is who der Szene zum größten internationalen Comic-Festival trifft.

Und was ist in Deutschland? Comics werden noch immer traditionell als Domäne der Kinderunterhaltung angesehen, obwohl sich über die Jahre auch Comics für Erwachsene zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen entwickelt haben. Jeder Deutsche kennt zwar Asterix und Obelix, wird aber kaum einen aktuellen Star der deutschen Comicszene spontan benennen können. Und Comics als Teil des deutschen Kulturguts? Undenkbar!

Und, und, und… je mehr ich dazu schreibe, desto mehr Unterschiede fallen mir ein. Mein Fazit: für mich ist es kaum vorstellbar, dass deutsche Studenten schon bald mit Comics büffeln. Eigentlich schade, mir gefällt diese innovative Idee.

(Quelle: https://www.haufe.de Haufe Online Redaktion vom 02.03.2015)

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